Über Offenbach

Kein geringerer als Johann Wolfgang von Goethe etwa widmete in seinem Werk "Dichtung und Wahrheit" der Stadt Offenbach ein eigenes Kapitel. Seine Verlobung mit der Bankierstochter Anna Elisabeth Schönemann, genannt "Lili", ist ein fester Bestandteil der Offenbacher Stadtgeschichte geworden. Die Hochzeit war letztendlich daran gescheitert, dass die Familie Schönemann, die eigene Tochter nicht an einen Schriftsteller "verlieren" wollten und auf einen finanzstärkeren Ehemann hofften. Goethes Zeit in Offenbach stellt zudem die letzte Phase seiner Sturm und Drang - Zeit dar. Charakteristisch für die Empfindsamkeit und eine "Muse des Sturm und Drang" ist zugleich die Autorin Sophie von la Roche, die mit ihrem Briefroman die literarische Strömung maßgeblich beeinflusste. Vom Schicksal war sie dazu gezwungen, die Briefe ihres Angebeteten zu verbrennen, da sich die Elternhäuser nicht auf eine Konfession der zukünftigen Kinder einigen konnten. 

Von dem Offenbach, das Goethe und la Roche erlebten, ist allerdings nicht mehr viel vorhanden. Obwohl der historische Stadtkern die beiden Weltkriege überdauerte, wurde er Mitte des 20. Jahrhunderts abgerissen. An seine Stelle rückten Wohnblocks im Zuge des industriellen Booms, der leider in einer Rezession endete, welche Offenbach besonders hart traf.